Wer glaubt, dass uns Bloggern keine Fehler unterlaufen und nicht auch einmal ein Gericht daneben geht, der liegt falsch. Wer viel ausprobiert, erlebt auch desöfteren Rückschläge.

Zugegeben: Mein Blog ist mein digitales Schaufenster auf meinen Esstisch. Wenn Gäste kommen, werden die Gerichte hübsch auf meinen Fototellern (Ihr kennt die Dinger, das sind die großen, in deren Mitte man mit etwas Glück etwas zum Essen findet…) angerichtet und serviert. So ist’s auch mit Rezepten, die auf den Blog kommen: Das sind in der Regel die Gerichte, die zum einen gut geschmeckt und zum anderen auch sehr schön ausgesehen haben.

Die bösen Brüder und Schwestern müssen dagegen im Kämmerlein hinter dem Schaufenster bleiben und laufen Gefahr, irgendwann gelöscht zu werden. Nicht heute. Ich habe mich durch 5 Jahre Bilder gewühlt und ein paar besonders böse Exemplare herausgesucht, die entweder auf dem Teller aussehen wie Hundefutter oder tatsächlich auch so geschmeckt haben.

Beginnen möchte ich den Reigen von Kuriositäten mit einer netten, kleinen Vorspeise: Einer klassischen französischen Zwiebelsuppe. Dafür braucht Ihr gute Rinderbrühe, reichlich Zwiebeln, guten Käse und ein Stück französisches Baguette. Die Zwiebeln werden mit der Brühe vermischt, darauf wird das Brot gelegt und zuoberst kommt der Käse drauf. Das Ganze wandert dann für einige Zeit in den Ofen und kommt dort eigentlich als dampfend-duftendes, leckeres Etwas heraus. Zumindest das Etwas hat hier gestimmt – ich finde das Foto einfach unglaublich unappetitlich. Lecker war’s trotzdem. Das nächste Mal werde ich kleinere Schüsselchen und einen anderen Käse zum gratinieren verwenden. Und französisches Brot. Kein sich krümmendes und extrem hart werdendes deutsches Schwarzbrot. Ähmja.

Outtakes aus fünf Jahren bloggen

Nach der ersten Vorspeise geht’s weiter mit dem zweiten Suppengang (Jaha! Moderne Menüs haben zwei Suppengänge hintereinander!), der diesmal sowohl optisch als auch geschmacklich ein Highlight ist. Schaut diese in pastellernen Brauntönen gehaltene Suppe nicht frisch und knackig aus? Ich habe das Gemüse und das Hühnchen hoffnungslos übergart – die Suppe schmeckte nur nach Brühe, Gemüsefasern und Stärke. Japanische Udon-Nudeln habe ich seither von meinem Speiseplan gestrichen und bestelle mir diese nur noch bei meinem Lieblingsjapaner in Erlangen – zubereitet von Leuten, die das können. Aber ernsthaft: Ich liebe diese dampfenden Nudeltöpfe und werde mich bestimmt noch einmal daran versuchen. Mit kürzeren Garzeiten und einer anderen Farbpalette.

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Nun wird’s Zeit für den ersten Zwischengang: Wie wäre es mit einer Blätterteigrolle mit Spitzkohl, der in etwas Sahne und Muskat im besten Stil der 80er Jahre getränkt und eingewickelt wurde? Dazu hätte ich eine zugegeben leckere Sauce aus Haselnüssen und Tahini. Dieses Konsistenzmonster entwickelt im Mund eine Gefühlseigendynamik, die nahe an meinen ersten unbeholfenen Kuss in der Ecke einer ländlichen Diskothek heranreicht. Bombe, das Teil!

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Einen schlechten Zwischengang spült man am besten mit einem kräftigen Schluck Wein hinunter. Das neutralisiert die Geschmacksnerven, in unserem Fall sollten wir dagegen hoffen, dass er sie wegen des nächsten Gangs sogar ein wenig betäubt. „Blaue Zipfel“ sind so schon für viele Menschen ein eher gewöhnungsbedürftiges Gericht, was mich aber bei dieser Kombination geritten hat, kann ich beim besten Willen nicht mehr erklären. Ich kombinierte 2010 doch tatsächlich die gekochten Bratwürste mit Zwiebeln aus dem Essigsud mit tomatigen Linsen und…Spätzle. Als Halbschwabe bitte ich meine Landsleute inständig um Vergebung. Als Vollblutfranke entschuldige ich mich dafür, „däi blaue Zibbfl“ so ad absurdum geführt zu haben. Da fällt es schon gar nicht mehr auf, dass der Sud zu heiß war und die Bratwürste deswegen aufgeplatzt sind – ein kapitaler handwerklicher Fehler.

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Zeit für den ersten Schnaps. Ihr kennt mich als einen Liebhaber guter Burgerkreationen, aber auch hier sind meine Gäste nicht gefeit vor misslungenen Kreationen. Mein lieber Kumpel Ingo war ungleich tapfer, als mir der „Big Pig BBQ“ misslang. Ich hatte in einem Kochbuch die Inspiration dafür aufgegriffen und Schweinekoteletts kleine gehackt und mit einer selbst gemachten BBQ-Sauce vermischt. Die Masse sollte nach ein paar Stunden Kühlung genug Bindung entwickeln, um zu Pattys geformt und auf dem Grill gebraten zu werden. Pustekuchen. Die Masse litt, wie sich in späteren Gesprächen mit Psychologen herausstellte, unter massiven Bindungsängsten. Es war also nicht daran zu denken, Pattys zu formen. So briet ich die Fleisch-BBQ-Pampe in der Pfanne auf dem Grill an, wodurch natürlich nur Matsch und keine Röstaromen entstehen konnten. Wie gesagt, Ingo war tapfer.

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Hauptgang! Ein Augenschmaus sondergleichen! Blaue Kartoffeln, überwürztes Rosenkohlhackgemüse, dazu eine handwerklich dilettantisch gefüllte Rolle aus Kalbsfilet und Pflaumenmarmelade. War geschmacklich in der neutralen Zone, optisch aber eine Vollkatastrophe. Peinlich, weil ich das Rezept tatsächlich bei einem Wettbewerb einreichte. Da hat das Qualitätsmanagement wohl Urlaub gehabt.

outtakes-kalbsfilet

Schnaps! Denn nun kommt die Dessert-Orgie. Den Anfang in unserem „leckeren“ Menü macht ein Gericht für Wissenschaftler, Tüftler und Archäologen. Alle könnten sich mit der Frage beschäftigen, was das sein könnte:

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Der Archäologe würde zunächst mit einem Pinsel die zentimeterdicke Puderzuckerstaubschicht entfernen, nur um darunter auf etwas hartes, betonartiges zu stoßen. Zusammen mit dem Tüftler würden sie herausfinden, dass diese Schicht mit Hammer und Meißel aufgebrochen werden kann. Der Wissenschaftler hätte nun die Aufgabe, die eruptiv austretende orange Flüssigkeit als radioaktive Aprikosenmasse zu definieren und die sofortige Sprengung des Tellers einzuleiten. Crumble in the Jungle. Ein wenig Knoff-Hoff am Esstisch belebt die Kommunikation unter den Gästen.

Wer bis dahin noch kein Problem mit dem Magen bekommen hat, wird nun vor die härteste Probe gestellt. Mascarpone mit Rhabarber-Kompott-Pampen-Massen-Dings. Leute, das war mit Abstand das schlechteste Dessert, an das ich mich erinnern kann. Wahrscheinlich war die Mascarpone schlecht, denn ich verbrachte die Nacht in inniger Liebe mit der Kloschüssel. Brrr.

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Wer das Menü bis zum Schluss durchgehalten hat, braucht einen Kaffee. Affogato. Aber, hahaaaa, nicht mit Vanille- sondern Erdbeereis. „Schmeckt bestimmt auch!“, dachte ich mir. Lasst Euch eines sagen: Erdbeereis und guter italienischer Espresso passen NICHT zusammen. Nicht mal ein bisschen. Dafür sieht’s aber hübsch aus….

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