Es ist früher Morgen, das eiserne „Spitzmüller & Hansen“-Schild knarzt im leichten Wind. Alex öffnet die Klappe unseres gemeinsamen Food-Trucks und fängt langsam an, die Lamm-Pattys für unsere Spezial-Burger zu braten. Was für Alex und mich eine romantische Vorstellung ist, ist für Peter bereits Realität: Seit nunmehr 3 Jahren betreibt er als „Swagman“ einen eigenen Food-Truck.

Zugegeben: Die Vorstellung, mit einem rollenden Restaurant durch Deutschland zu touren und gutes Essen in viele Städte zu bringen, reizt Alexander und mich. So sehr, dass wir uns schon einmal näher damit beschäftigt haben, was ein Food-Truck kosten würde und was wir unseren möglichen Kunden anbieten könnten. Schnell kamen wir auf wirklich gute Burger, handgemacht, aus wunderbar frischen, regionalen Zutaten, mit goldgelb gebackenen Burger-Buns und leckeren Saucen. Wir unterhielten uns über Pulled Pork-Sandwiches, diskutierten über die Herstellung von Pastrami und tolle vegetarische Kreationen mit Kichererbsen, Quinoa, Bulgur oder Auberginen.

Leider wird dieses Hirngespinst ein solches bleiben – den letzten Schritt werden wir wohl nicht wagen. Zu groß wäre die Unsicherheit über Gelingen des Unterfangens und das finanzielle Risiko, das ich als Familienvater nur schwer rechtfertigen kann. Peter Appel hat sich dagegen dieser Bedenken längst entledigt und fährt als „Swagman“ mit seinen beiden Food-Trucks durch die fränkischen Lande.

Wie der Swagman mit seinem Food-Truck leckeres Essen bringt

Eine leckere Stulle vom Swagman

Wenn Peter die Rolläden seines mobilen Restaurants hebt, dann erwarten seine Kunden lauter handgemachte Köstlichkeiten. Grundlage seines Essens ist selbst gemachter Kartoffelstampf, welcher mit langsam geschmorten Fleisch und einer wahren Armada an Toppings und Gemüsen serviert wird. Natürlich gibt es auch vegetarische Varianten, die nicht minder köstlich schmecken. So köstlich, dass Peter von der Gastronomie-Zeitschrift „FIZZZ“ zum besten Food-Truck Deutschlands gekürt wurde.

Peter hat sich bereit erklärt, mir ein kleines Interview und Einblick in sein Leben als Wanderarbeiter unter dem Banner guten Esses zu geben – vielen Dank dafür!

Und Alexander: Wollen wir es nicht doch wagen, Du und ich – ein Truck – und Burger?

Wie der Swagman mit seinem Food-Truck leckeres Essen bringt

Wie der Swagman Franken mit tollem Essen auf Rädern verzaubert – das Interview

HighFoodality: Hallo Peter! Magst Du Dich kurz meinen Lesern vorstellen?

Peter: Mein Name ist Peter Appel, ich bin 47 Jahre alt und betreibe zusammen mit einer Lebensgefährtin Andrea Übelhack zwei „Swagman“ Foodtrucks, einen in der Metropolregion Nürnberg, Fürth, Erlangen, den anderen in Bayreuth.

HighFoodality: Du bist seit 2011 mit einem Food-Truck durch Franken unterwegs. Kannst Du uns schildern, wie Du auf diese Idee kamst und wie Du sie verwirklicht hast?

Peter: Ich war mit meiner Lebensgefährtin bis Ende 2010 mit einem Textilunternehmen selbständig. Wir haben erfolgreich mit großen Textilfilialisten (C&A, New Yorker, Takko etc.) zusammengearbeitet. Während dieser Tätigkeit waren wir auch sehr oft in Fernost und den USA, dort insbesondere in Los Angeles bzw. New York, um nach neuen Modetrends Ausschau zu halten. Und in diesen beiden Städten gibt es ja tausende von Foodtrucks, die uns als Konzept schon immer begeistert haben. In den Jahren 2009/2010 haben wir dann immer mehr gemerkt, dass viele Komponenten des Textilbusiness nicht mehr unserer Ding sind und wir dies auf keinen Fall bis ans Ende unseres Arbeitslebens weiter machen wollen. Wir haben uns dann entschlossen, eine berufliche Auszeit von 3 Monaten in Australien zu nehmen, um über unsere berufliche Zukunft nachzudenken. Da in Australien aber tägliche viele neue Eindrücke und Erlebnisse auf uns eingeprasselt sind, hatten wir eigentlich gar keine Zeit, um richtig nachzudenken und kamen dann schließlich ohne eine Geschäftsidee zurück. Dafür mit einem guten Namen im Hinterkopf, „Swagman“.

Ein „Swagman“ ist ein australischer Wanderarbeiter, jemand, der dort bleibt, wo es Arbeit für ihn gibt, also ein sehr passender Name für ein mobiles Essenskonzept. Nach unserer Rückkehr ist uns immer öfter der Gedanke eines Foodtrucks in den Sinn gekommen und wir haben die Arbeit an der Umsetzung aufgenommen. Das wichtigste war, jemanden zu finden, der uns ein Fahrzeug nach unseren Vorstellungen umbaut und ein Produkt zu erfinden, das es in dieser Form nirgendwo gibt, das aber auch das Potential hat, die Kunden zu begeistern.

Wie der Swagman mit seinem Food-Truck leckeres Essen bringt

HighFoodality: Als Swagman verfolgst Du ja ein bestimmtes Konzept: Du kombinierst Kartoffel-Stampf mit verschiedenen Gemüsen und „Slow-Roast“ von der Pute oder Schwein. Wie bist Du auf dieses Food-Konzept gekommen?

Peter: Das Wichtigste bei unseren Überlegungen war immer, dass unser Essen richtig lecker schmecken muss und dass es nicht irgendein Fastfood mit leeren Kalorien ist. Wir wollten, dass unsere Gäste nach einem Besuch beim Swagman mit neuer Energie in die 2. Tageshälfte starten können. Und unser Angebot sollte etwas anderes sein, als „die üblichen Verdächtigen“ Döner, Bratwurst oder Pizza. Bis letztendlich das Essen feststand, hat es mehrere Monate gedauert und unsere Freunde mussten sich durch viele Testessen quälen;-) Aber heute sind wir sehr froh, dass es relativ lange gedauert hat und es genau dieses Essen geworden ist. Wir haben extrem viele Stammkunden, die Woche für Woche zu uns kommen und uns damit zeigen, dass sie unser Essen auch klasse finden. Darüber sind wir natürlich sehr glücklich.

Wie der Swagman mit seinem Food-Truck leckeres Essen bringtWie der Swagman mit seinem Food-Truck leckeres Essen bringt

HighFoodality: Take-Away-Essen aus Imbiss-Buden hat nicht gerade einen guten Ruf. Meist ist das Essen minderer Qualität und auch nicht unbedingt gesund. Wie wehrst Du Dich gegen diesen Ruf und wie gelingt es Dir, Dich hier zu differenzieren? Was unterscheidet einen Food-Truck von einem Imbisswagen?

Peter: Wir haben sehr hohe Ansprüche daran, was wir unseren Gästen anbieten. Wir sehen uns da nicht nur im Wettbewerb mit anderen Imbissbetrieben, sondern generell mit jeglicher Gastronomie, die irgendeine Form von Mittagessen anbietet. Aber da müssen wir uns nicht verstecken. Unser Schweinefleisch kommt zum Beispiel ausnahmslos aus Betrieben der „Genussregion Oberfranken“, wo hohe Auflagen in Bezug auf Tierhaltung und Aufzucht eingehalten werden müssen, um dazu gehören zu können. Unser Putenfleisch kommt ebenfalls aus zertifizierten Betrieben und die Tiere wachsen ohne Einsatz von Antibiotika auf. Generell ist gefrorenes oder ausländisches Fleisch, das man viel günstiger beziehen könnte, ein absolutes Tabu bei uns.

Dass unser Essen generell gesund ist, merkt man, wenn man z. B. unser Gemüse isst. Es ist immer bissfest und wird nicht über Stunden warmgehalten, so dass am Ende nur noch ein vitaminloser Brei übrig bleibt.

Wir wurden gerade von der Gastronomie-Zeitschrift „FIZZZ“ zum besten Foodtruck Deutschlands gekürt. Hierfür wurden einige Foodtrucks von 2 Sterneköchen in Bezug auf Angebot, Geschmack und Qualität getestet. Dass wir hier als Sieger hervorgehen konnten, freut uns sehr, weil sich die externe Wahrnehmung also auch mit unseren hohen Ansprüchen deckt.

Wie der Swagman mit seinem Food-Truck leckeres Essen bringt

HighFoodality: Ich weiß, dass Du alle Komponenten selbst herstellst. Wie wichtig ist Dir Nachhaltigkeit, Saisonalität und die Nutzung regionaler Produkte?

Peter: Das Gegenteil von Regionalität und Saisonalität bedeutet meistens Tiefkühlware, lange Transportwege und bei Obst oft eine Ernte vor der Reife. Das kann man nicht alles immer bis ins letzte Detail kontrollieren, aber wir haben es weitestgehend ausgeschlossen.

HighFoodality: Hat es lange gedauert, gute regionale Bezugsquellen zu erschließen?

Peter: Wir haben uns zu Anfang natürlich mit sehr vielen Leuten zusammengesetzt, um optimale Bezugsquellen zu haben. Da merkt man dann aber auch sehr schnell ob der Gegenüber der Richtige ist und die gleiche Sprache in Bezug auf Qualität spricht. Wir arbeiten heute im Prinzip noch fast mit den gleichen Betrieben wie anfangs zusammen. Nur beim Fleisch haben wir vor einiger Zeit einen neuen Lieferanten dazugenommen, da wir uns qualitativ noch einmal steigern konnten.

HighFoodality: Du bist mit Deinem Truck meist mittags unterwegs, manchmal auch abends. Wie viel Zeit steckst Du in die Vorbereitung Deiner Gerichte und wie oft veränderst Du die Speisekarte?

Peter: Unser Tag beginnt immer um halb sechs morgens in der Küche und endet nach zwölf bis vierzehn Stunden. Wir bereiten unser Gemüse, die Suppen und Salate jeden Tag frisch zu, Frische ist eine der wichtigsten Komponenten bei Swagman. Unser Hauptprodukt, das es immer gibt, ist das „Swagman Spezial“, langsam gegartes Puten- oder Schweinefleisch auf Kartoffelpüree. Hierzu gibt es wöchentlich wechselndes Gemüse und obendrauf leckere Toppings (z. B. Pestos, Chutneys, Pfeffer-Creme-Fraiche, 2 schärfere Saucen) die wir selbst entwickelt haben und natürlich auch selbst herstellen. Neben dem Gemüse wechseln Suppen, Salate und Desserts ebenfalls im Wochenrhythmus.

HighFoodality: Welche Kombination verkauft sich denn am besten?

Peter: Unser Bestseller ist das „Swagman Spezial“ aber da hat dann jeder seinen eigenen Favoriten in Bezug auf Topping und Gemüse, der ihm am Besten schmeckt. Wir sind mittlerweile über zwei Jahre mit unserem Konzept unterwegs und unser Essen ist eigentlich auch jeden Tag mein Mittagessen. Es schmeckt halt einfach sehr lecker und durch die verschiedenen Toppings kann man sich auch immer andere Kombinationen zusammenstellen.

Swagman-Spezial: Leckerer Kartoffelstampf mit Schweinefleisch oder Pute, dazu Gemüse und Toppings

HighFoodality: Ich kann mir vorstellen, dass die richtigen Standorte kriegsentscheidend für das Geschäft sind. Existiert hier ein harter Konkurrenzkampf oder wie schwer ist es, gute Plätze zu finden?

Peter: Natürlich hat ein guter Standplatz Einfluss auf den Erfolg, wichtiger ist aber ein gutes, leckeres Produkt. Heutzutage passiert viel über die sozialen Medien wie Facebook und Twitter bzw. Mundpropaganda, da kann ein gutes Produkt schnell den Nachteil eines vermeintlich schlechteren Standplatzes wettmachen. Und da wir einer der ersten Foodtrucks überhaupt in Deutschland waren, die mit festem Tourenplan unterwegs waren, konnten wir die Standplätze eigentlich noch relativ gut auswählen. Allerdings gibt es gar nicht so viele „richtige“ Standplätze, die unsere Kriterien erfüllen und für die man dann auch die Erlaubnis bekommt, sich dort hinzustellen.

HighFoodality: Was muss man berücksichtigen, wenn man einen erfolgreichen Food-Truck betreiben will?

Peter: Das Wichtigste ist, dass Qualität und Geschmack im Vordergrund stehen! Natürlich kann man mit einem gut gestylten Foodtruck erst mal Aufmerksamkeit erzielen und Spontankäufer gewinnen. Langfristig erfolgreich wird das Konzept aber erst, wenn man es schafft aus Einmalkunden Stammkunden zu machen. Aber das klappt nur mit einem sehr guten Angebot.

HighFoodality: Ich habe den Eindruck, dass die Food-Truck-Szene rund um Nürnberg recht ausgeprägt ist. Ist das ein Einzelfall oder existiert dieser Trend in ganz Deutschland?

Peter: In den letzten 2 Jahren hat sich in Deutschland einiges getan in der Foodtruck-Szene. Es stimmt, dass es auch in und um Nürnberg einige Foodtrucks gibt, aber es liegt in der Natur der Sache, dass wenn jemand irgendwo mit etwas startet, dass vermeintlich gut funktioniert, es dann immer andere gibt, die ein ähnliches Konzept umsetzen. Aber man sollte das Thema nicht unterschätzen. Bis aus einem Foodtruck ein erfolgreicher Foodtruck wird, ist es sehr langer und sehr steiniger Weg.

HighFoodality: Zu guter Letzt: Wo kann ich nachsehen um herauszufinden, wann Du wo stehst?

Peter: Auf www.swagman.de gibt es einen Button „Tourdaten“ unter dem man unsere Wochenfahrpläne, getrennt nach Nürnberg und Bayreuth findet. Außerdem posten wir unsere Standplätze täglich auf Facebook:

Peter, vielen lieben Dank für das tolle Interview!