„On Fire – Grillen für Gourmets“ von Wolfgang und Stephan Otto [Rezension]

2018-09-21T08:15:28+00:0017. Januar 2015|0 Kommentare
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Mit dem Untertitel „Grillen für Gourmets“ geben die Autoren direkt bekannt, dass das Kochbuch nicht für die breite Masse geeignet ist und sich gezielt an Personen richtet, die auch vom Grill exquisite Kost erwarten.

„On Fire – Grillen für Gourmets“  richtet sich an all diejenigen, für die hochwertige Produktqualitäten eine Frage der Ehre sind. Grillen bedeutet viel mehr als den Transport thermischer Energie und es ist viel mehr als eine maskuline Demonstration existenzieller Kompetenzen“ steht im Klappentext des Buches und definiert die Zielgruppe für das Buch nochmal ein wenig genauer. Die Gebrüder Otto haben sich seit Jahren hochqualitativen Produkten verschrieben und mit dem Online-Versandhandel „Otto Gourmet“ Maßstäbe für den Bezug edler Produkte gesetzt. Das Buch setzt diese Linie fort und zeigt nun, wie hochwertige Zutaten „kulinarisch vollendet werden können“.

Die Rezepte auf den 256 Seiten sind daher naturgemäß eher Fleisch-lastig, Gemüse und Desserts vom Grill wird aber auch je ein Kapitel mit inspirierenden Rezepten gewidmet. Überhaupt macht das Buch keine Kompromisse: Weder in Sachen Qualität noch in Sachen Ungewöhnlichkeit werden Abstriche gemacht. Das ist gut, denn so wird das Versprechen des Untertitels Seite für Seite eingelöst.

"On Fire - Grillen für Gourmets" von Wolfgang und Stephan Otto [Rezension]

"On Fire - Grillen für Gourmets" von Wolfgang und Stephan Otto [Rezension]

So finden sich beispielsweise Rezepte für die Zubereitung von Markknochen, Gewürzbrötchen mit Schweineblut, Tomahawk-Steaks oder Gambas mit Spargel, Erdbeeren und Vanillejoghurt. Die feine Küche findet durchweg auf dem Rost von Holzkohle- oder Gasgrill statt und liefert in der Tat inspirierende Anregungen für den etwas anderen Grillabend. Ich kenne kein anderes Buch, das Grillen in ein kulinarisches Fest verwandelt und so viele kreative Rezepte, Inspiration und Anleitungen liefert. Meine Philosophie, dass Gerichte vom Grill sehr wohl ganzheitlich stimmig komponiert und in Form von kompletten Tellergerichten im Gegensatz zur Buffet-Kultur vieler Grillabende serviert werden können, bekommt im Buch Bestätigung.

Die Rezepte selbst sind ausführlich beschrieben und gut nachzuvollziehen. Die Autoren haben zudem für jedes Rezept detaillierte Setups für den Grill selbst erarbeitet, so dass für das Nachkochen jederzeit klar ist, mit welchem Grill das wohl beste Ergebnis erzielt wird. Dabei folgen die Autoren keinesfalls einer zweifelhaften Doktrin, denn Holzkohle- und Gasgrill werden gleichermaßen benutzt und haben ihre situative Berechtigung. Unterschiedliche Grills – wie auch ein Smoker – werden eingesetzt, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Durch diese kleinen Theorie-Exkurse habe ich zudem noch einiges über Grilltechnik gelernt und zusätzliches Verständnis aufgebaut.

Französischer Baba mit Ziegenkäse-Eis und Heidelbeer-Ragout

Das Buch selbst gliedert sich in 13 Kapitel, die neben der Grundlagenvermittlung Rezepte für Würste, Rindfleisch, Schweinefleisch, Geflügel, Wild, Seafood, Gemüse, Desserts, Sous-vide, Beilagen und Basisgerichte bereithalten. Ich habe bisher zwei Rezepte aus dem Buch probiert: Das Dessert französischer Baba mit Ziegenkäse-Eis und Heidelbeer-Ragout ist vom Buch inspiriert und hat mich vollständig überzeugt: Auf die Idee, einen Kuchen auf dem Grill zu garen, wäre ich nie im Leben gekommen. Der Clou: Der Napfkuchen wird nach dem Backen mit einem Thymian-Honig-Sirup getränkt, wodurch der Kuchen unglaublich saftig und aromatisch wird.

Mein zweiter Versuch war gegrillter Hirschrücken mit einer Kruste aus weißer Schokolade, Kaffee und Pinienkernen. Bei der Zubereitung stand ich wohl etwas neben mir, denn mir wollte an diesem Tag nicht wirklich etwas von der Hand gehen. Der Hirsch war geschmacklich top, auch wenn sich die Angaben zur Garzeit radikal von den wirklichen Zeiten bei mir auf dem Grill unterschieden.

gegrillter-hirschruecken

Rein von ästhetischer Seite vermisse ich im Buch so etwas wie eine klare Linie: Die Rezepte werden hinsichtlich Layout von gleichartiger Anordnung von Text und Überschriften eingerahmt, einen konsequenten fotografischen Stil konnte ich aber nicht erkennen. Sicher, die Bilder sind professionell produziert, dennoch sagen mir persönlich die Lichtführung, die Wahl der Bildausschnitte und vor allem die Wahl des Geschirrs, auf dem die Gerichte angerichtet sind, nicht zu. Das gute Foodstyling wird durch spiegelnde Untergründe, komische Muster und teilweise schlimme Tellerfarben torpediert, was schade ist.

Fazit: Das Buch „On Fire – Grillen für Gourmets“ ist sicher kein Buch für jedermann. Man muss schon eine große Leidenschaft für feine Küche vom Grill besitzen, damit eine Investition hier Sinn macht. Besitzt man diese aber, so finden sich neben vielen technischen Hilfestellungen und guter Wissensvermittlung viele Inspirationen, die die eigenen Fähigkeiten weiter bringen.

„On Fire – Grillen für Gourmets“
Wolfgang und Stephan Otto, Thomas Ruhl
Fackelträger Verlag GmbH, 2014
ISBN 978-3-7716-4546-5

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Über den Autor:

Hallo! Schön, dass Du hier bist! Hier schreibt Uwe. Hat immer Hunger. Ist leidenschaftlicher Koch. Und Food-Aficionado. Muss sein Essen immer fotografieren. Freut sich tierisch über Kommentare!

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