Pochierter Tafelspitz auf Süßkartoffel-Polenta mit Zwiebel-Chutney

2018-09-24T13:52:03+00:005. Oktober 2011|14 Kommentare

Ich habe mich (mal wieder) geärgert. Ich verlasse morgens das Haus, um auf die Arbeit zu gehen. Ein paar Meter von der Türe entfernt kommt mir ein älterer Herr entgegen, ein Nachbar, der im gegenüber liegenden Haus wohnt. Man kennt sich vom Sehen. Er schaut mich an, sieht mich auch (ist so früh am Morgen nicht selbstverständlich). Ich grüße, denn das hat mir meine Mama so beigebracht. Der ältere Herr wendet seinen Blick von mir ab und geht ohne ein Wort des Grußes an mir vorbei. Mir entfährt ein süffisant-erstaunt-empörtes Lachen.

Zwei Tage zuvor hatte ich meine kleine Tochter in den Kindergarten gebracht. Ich stehe an der Tür, sehe, dass eine Mutter mit Kind im einen und einer großen Tasche im anderen Arm zur Tür läuft. Na, kein Problem, da warte ich doch gerne und halte die Tür auf. Als die Mutter passiert, grüße ich noch. Sie sieht mich an, sagt keinen Ton. Erwidert weder den Gruß noch spricht ein Wort des Dankes. Mir jagt’s den Dampf aus den Ohren.

Ich könnte noch einige dieser Situationen schildern, denn seit wir vor einigen Jahren in die Stadt gezogen sind, passiert mir das ständig. Was passiert mit der Gesellschaft? Haben wir es nicht mehr nötig, freundlich zu sein? Verrohen wir? Können wir nicht wenigstens in Mikrogemeinschaften, die uns alle durch ein Merkmal verbinden (Kinder im selben Kindergarten, wohnen in der gleichen Anlage), gewisse Formen der Nettiquette wahren? Ist es so ungewöhnlich geworden, sich zu grüßen? Ich verstehe das nicht.

Was das mit dem pochierten Tafelspitz auf Süßkartoffel-Polenta mit Zwiebel-Chutney zu tun hat? Nichts. Null. Es regt mich aber einfach auf.

Umso beruhigender wirkte da der Geschmack dieses Gerichts auf mein aufgebrachtes Gemüt. Der Tafelspitz war sehr freundlich zu mir, erwiderte auch meinen Gruß mit einer zartrosa Färbung. Geschmacklich ist das Gericht eher süß, und das muss man mögen: die Süßkartoffel-Polenta und das Zwiebel-Chutney tragen ihren Teil dazu bei. Wichtig ist die Zugabe von Chili, damit die Süße nicht zu sehr dominiert.

Anfangs hatte ich Bedenken, dass das Essen zu trocken wird – dies war völlig unbegründet. Obwohl keine Sauce dabei ist reichen das zarte Fleisch und die Süßkartoffel-Polenta völlig aus.

Nachdem ich neulich Rehrücken pochiert habe und sehr begeistert war, wollte ich die Methode auch einmal mit Rindfleisch ausprobieren: es hat sich wieder gelohnt! Der Tafelspitz kochte 20 Minuten in 80°C heißem Wasser und wurde danach nur noch in etwas Butter kurz von allen Seiten scharf angebraten. Ich werde langsam ein Fan dieser Zubereitungsmethode.

Rezept

Zutaten für den pochierten Tafelspitz auf Süßkartoffel-Polenta mit Zwiebel-Chutney (für 2 Personen):

Für die Süßkartoffel-Polenta:

  • 1 Zwiebel
  • 1 Chili
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 Süßkartoffeln
  • 2 Zweige Rosmarin
  • 50g Butter
  • 300ml Milch
  • 300ml Fleischbrühe
  • 125g Polenta
  • Salz, Pfeffer

Für den Tafelspitz:

  • 400g Tafelspitz
  • 2 EL Butter
  • 1 TL Pfeffer
  • 2 Zweige Rosmarin
  • 1 Handvoll Pinienkerne
  • Salz

Für das Zwiebel-Chutney:

Siehe Zwiebel-Chutney-Rezept.

Zubereitung:

1 Das Zwiebel-Chutney nach Anleitung in obigem Rezept zubereiten.

2 Für die Polenta die Zwiebeln und den Knoblauch schälen und fein hacken. Die Chili fein hacken. Die Süßkartoffeln waschen, schälen und fein würfeln. Die Rosmarinzweige kerbeln und die Nadeln fein hacken. Die Zwiebeln, den Knoblauch und die Chili in etwas Butter dünsten. Die Süßkartoffeln zugeben und alles gut rösten. Mit der Hälfte der Fleischbrühe ablöschen und kochen lassen, bis die Kartoffeln weich sind. Dann fein pürieren.

3 In der Zwischenzeit die restliche Fleischbrühe mit der Milch aufkochen und die Polenta zugeben. Ca. 20 Minuten quellen lassen.

4 Den Tafelspitz parieren und mit Salz, Pfeffer und den Rosmarinzweigen würzen. In einen Bratbeutel geben und für 20 Minuten in 80°C heißem Wasser pochieren. Die Pinienkerne in einem Mörser zerstoßen.

5 Die Polenta unter das Süßkartoffel-Püree heben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

6 Den Tafelspitz aus dem Wasser nehmen. Butter in einer Pfanne zerlaufen lassen und den Tafelspitz von jeder Seite 1-2 Minuten scharf anbraten. Mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Aufschneiden und mit der Süßkartoffel-Polenta, dem Zwiebel-Chutney und den zerstoßenen Pinienkernen servieren.

Inspiration: Living at Home Spezial „Gäste und Feste“ Nr. 5

Über den Autor:

Hallo! Schön, dass Du hier bist! Hier schreibt Uwe. Hat immer Hunger. Ist leidenschaftlicher Koch. Und Food-Aficionado. Muss sein Essen immer fotografieren. Freut sich tierisch über Kommentare!

14 Kommentare

  1. Jürgen 5. Oktober 2011 um 08:57 Uhr - Antworten

    Interessante Einleitung, gefällt mir 🙂
    Musste leider auch schon des öfteren diese Erfahrung machen. Das schlimme daran ist, dass die Kinder dieser Stoffel auch so werden, weil sie es nicht anders lernen. Und in Kindergarten und Schule sowas nicht vermittelt wird. Man kann nur mit gutem Beispiel voran gehen und hoffen ..

    Ach ja .. zum Rezept .. hört sich seeehr lecker an. Werde ich demnächst sicher mal ausprobieren.

    Viele Grüße,
    Jürgen

  2. zorra 5. Oktober 2011 um 11:03 Uhr - Antworten

    Erstmal: Guten Morgen lieber Uwe! 🙂

    Vielleicht lesen die alle dein Blog und sind eifersüchtig, dass du so gut kochen und fotografieren kannst. 🙂 Das sieht nämlich wieder mal umfwerfend köstlich aus! Ich hatte kürzlich mal gegrilltes Tafelspitz, das hat mich nicht so überzeugt. Aber deins sieht wirklich gelungen aus.

    • Ralf 13. November 2016 um 10:50 Uhr - Antworten

      Hallo Zorra,

      Picanha ist das beliebteste Grillstück in Brasilien und das ist auch nichts viel was anderes wie der Tafelspitz mit etwas Huft dran. Nur muss das Fleisch gut abgehangen sein, dann ist es im Ganzen gegrillt bombig.

      Gruss
      Ralf

    • Raf 13. November 2016 um 10:57 Uhr - Antworten
  3. Alex [Chef Hansen] 5. Oktober 2011 um 12:05 Uhr - Antworten

    Zorra hat schon alles gesagt, was ich auch sagen wollte 😉 Bleibt mir die Frage nach dem Teller, wo ich doch auf der Suche nach umwerfend schönem Porzellan bin!?

  4. lamiacucina 5. Oktober 2011 um 20:16 Uhr - Antworten

    mit magerem Rindfleisch geht das gut. Wenn zuviel Bindegewebe drin ist, sind 80°C zu wenig.

    • Uwe 6. Oktober 2011 um 09:52 Uhr - Antworten

      @Jürgen: Anscheinend bleibt einem nichts anderes übrig.

      @zorra: Danke 😀 – Tafelspitz grillen stelle ich mir auch eher schwierig vor…

      @Alex: Hersteller der Teller ist Bauscher. Ich kann Dir aber gerade nicht sagen, zu welcher Serie die gehören. Gab’s mal als Prämie bei Ed***.

      @lamiacucina: Ja, das musste ich auch schon einmal schmerzlich erfahren.

  5. Nadja 6. Oktober 2011 um 13:57 Uhr - Antworten

    Ich kann Jürgen nur voll und ganz zustimmen, die Kinder solcher Menschen werden genau so!
    Und was das Rezept betrifft, dachte ich schon, man müsste den Tafelspitz vakuumieren, aber gerade lese ich, dass es auch mit einem Bratschlauch geht – das muss ich dann unbedingt mal ausprobieren 🙂 Könnte ich das dann auch in so einem Dampfgarer – ich meine so einen Topf mit Siebeinsatz – machen?
    Herzlichen Gruß
    Nadja
    P.S. Hab schon div. Drinks von Deiner Seite ausprobiert – super & danke für die schönen Rezepte 🙂

    • Uwe 6. Oktober 2011 um 16:56 Uhr - Antworten

      @Nadja: Hm, habe ich noch nie probiert. Geht bestimmt auch – ich hätte nur Angst dass zu viel Fleischsaft verloren geht. Daher der Bratschlauch (ich kann hier mit meiner Theorie aber auch Falsch liegen).

  6. nata 6. Oktober 2016 um 10:22 Uhr - Antworten

    Ich mach’s wie Zorra und sag ersma guten Morgen! – Eigentlich wollte ich nur kurz reinkucken, um zu sehen, wie Du die Süßkartoffelpolenta machst. Aber die Einleitung trifft natürlich einen Nerv. Irgendwie kommt man sich vor wie der Depp, wenn man höflich und freundlich bleibt. Immer mehr Leute haben offenbar das Gefühl, mit niemandem mehr etwas zu tun zu haben. An diesen Stellen zeigen sich Risse in unserer Gesellschaft, die ganz schnell zu tiefen Gräben aufbrechen können.

    • Uwe 7. Oktober 2016 um 07:48 Uhr - Antworten

      Leider, ja. Obwohl der Artikel schon etwas älter ist, hat er noch Gültigkeit. Auch wenn ich sagen muss, dass es nach einem erneuten Umzug in der Gegend, in der ich jetzt wohne, besser ist.

  7. Christine 16. Dezember 2017 um 10:05 Uhr - Antworten

    Hallo Uwe,
    ich habe neulich gelesen, man sollte Kindern nicht immer nur das Zauberwort Bitte eintrichtern, mindestens genauso wichtig ist das Danken. Und nur was man vorlebt hat eine Chance übernommen zu werden. Ich will dir für das tolle Rezept danken, es ist eine Option fürs Weihnnachtsmenue, meine Mutter liebt Tafelspitz.

  8. Inge Waltl 17. Dezember 2017 um 10:41 Uhr - Antworten

    Lieber Uwe,
    Erst mal Danke, für deine guten Rezepte! Ich freue mich immer darüber, wie schön die Speisen angerichtet sind. Als Vegetarier suche ich mir eben aus, was ich nachmachen will.
    Und zu deinen Erlebnissen mit dem Grüßen: Nicht aufgeben. Es ist einfach angenehm und herzwärmend, freundlichen Zeitgenossen zu begegnen.

  9. Konrad Schuh 18. Dezember 2017 um 17:34 Uhr - Antworten

    Tolles Rezept – Süsskartoffeln und Mais passt ja sehr gut zusammen! Habe die Beilage mit Kalbsbäckchen klassisch geschmort gemacht. Wurde definitiv zu den Favorites dazugefügt. Dazu gabs noch die Aubergine mit Tomaten, Puy Linsen und Joghurt von Ottolenghi’s Weihnachtsrezepte im The Guardian. Das Chutney wird bald ausprobiert….

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