Knoblauch-Ramen-Suppe mit geschmortem Schweinebauch

2018-09-29T07:40:08+00:0021. August 2015|13 Kommentare

Das Rezept ist nichts für schwache Nerven: Im Originalrezept werden 44 Knoblauchzehen für 4 Personen verarbeitet. Ich begnüge mich mit 30. Und zeige Euch in einem Video, wie ich angerichtet habe.

„Was? 44 Knoblauchzehen? 30 Knoblauchzehen? Hat er Sie noch alle? Das kann doch nicht schmecken!“ – ich kann mit gut vorstellen, dass Deine Gedanken nach dem Lesen des Eingangssatzes so oder so ähnlich aussehen. Ging mir genau so, als ich das Originalrezept auf „Lady and Pups“ zum ersten Mal gelesen haben. Aber eines gleich vorneweg: Es schmeckt. Wirklich. Die Ramen-Suppe bekommt ein unglaubliches, aber dennoch ausgewogenes Aroma. Freilich: Für Knoblauch-Skeptiker oder das erste Date ist das Rezept nicht geeignet. Du musst die Knolle schon mögen. Wenn das so ist, wirst Du an diesem Rezept viel Freude haben.

Bevor es in die Details des Rezepte geht, möchte ich Euch Mandys Blog wärmstens ans Herz legen. Die New Yorkerin zog vor einigen Jahren mehr oder weniger skeptisch nach Peking, und versuchte den Einschnitt in ihr Leben mit gutem Essen zu kompensieren. Zum Glück, denn ihre Kreationen sind außergewöhnlich inspirierend und darüber hinaus noch atemberaubend in Szene gesetzt. Für mich sind ihre Fotografien mit das beste, was ich in den letzten Monaten gesehen habe.

Mandy verwendet im Original-Rezept keine 30, sondern in Summe 44 Knoblauchzehen. Die ersten 30 kommen in die Brühe, aus den übrigen bereitet Mandy noch ein Knoblauchpulver zu, das ich in meiner Variante durch Tamari-Mandeln ersetzt habe.

Knoblauch-Ramen-Suppe mit geschmortem Schweinebauch

Knoblauch-Ramen-Suppe mit geschmortem Schweinebauch

Knoblauch-Ramen-Suppe mit geschmortem Schweinebauch

Aber nun der Reihe nach: Zuerst schmorst Du den Schweinebauch in Knoblauch (Überraschung!). Dafür wird der Bauch von allen Seiten angebraten. Danach röstest Du die Knoblauchzehen im Ganzen (es ist schon ein cooles Gefühl, so viele Knoblauchzehen in den Topf zu streifen…) in Sesamöl, schön langsam bei moderater Hitze, gerade so lange, bis die Zehen eine schöne goldbraune Farbe genommen haben. Das Aroma durchflutet schon hier wohlig-warm Deine Küche und macht Lust auf mehr. Aber warte, es wird noch besser: Kaum ist der Bauch mit Shiitake-Pilzen, Knoblauch (30) und Sake, Mirin und Sojasauce im Ofen, formt sich der intensive Knoblauch-Geruch zu einem olfaktorischen Umami-Erlebnis. Ich hing in den drei Stunden des Schmorens fast durchgängig mit der Nase am Lüftungsschlitz meines Backofens. Yummy.

Müssen wir nochmal über Ramen sprechen? Vielleicht kurz: Ramen ist zum Einen eine Nudelsorte und zum Anderen nichts anderes als die japanische Version einer Nudelsuppe. Diese besteht in der Regel aus Brühe, Nudeln und Beilagen, was sich je nach Region und Spezialität in ihrer Zusammenstellung und den verwendeten Produkten unterscheidet. Mehr Informationen gibt’s bei Wikipedia.

Die Magie des Rezeptes steckt aber zweifelsohne in der Brühe. Denn nach dem Schmoren wird der Sud samt der Knoblauchzehen (Nur zur Sicherheit: Es waren 30) mit einer Zwiebel und leckerer Geflügelbrühe püriert. Das Ergebnis ist eine geschmacklich unglaublich intensive Angelegenheit. Die Brühe schmeckt durchaus nach Knoblauch (Überraschung!), besitzt eine moderate Schärfe und hat einen lang anhaltenden Geschmack, der den ganzen Mund dominiert. Diese Brühe wird nun mit Sojamilch, Sesamöl und Togarashi-Chili abgeschmeckt und verfeinert. Nachdem alle Einlagen (Fleisch, Nudeln, Frühlingszwiebeln, Tamari-Mandeln und Koriander) mit der dampfenden Brühe auf dem Tisch stehen, kommt der Moment der Wahrheit: Der erste Bissen. Die starke geschmackliche Dominanz der Brühe tritt nun etwas in den Hintergrund, durch die Einlagen wird das Geschmackserlebnis unglaublich rund aber bleibt intensiv. lecker. Sehr lecker.

Guck mal, was ich angerichtet habe!

Wäre dieses Rezept allein nicht schon kurios genug? Ich glaube schon. Dennoch habe ich heute eine Premiere für Dich. Mich erreichten in den letzten Monaten immer wieder Zuschriften von Lesern, die sich wünschten, ich möge doch mehr darüber schreiben, wie ich meine Teller anrichte. Da ich aber lieber rede als schreibe (sagt zumindest meine Frau), habe ich mir gedacht, dass ich Dir das Anrichten in einem Video zeigen könnte.

Sollte Dir also das folgende Anrichte-Video gefallen, so freue ich mich auf einen Kommentar, gerne mit Feedback, was ich besser machen kann. Ich habe nämlich vor, in der Zukunft öfter Anrichte-Videos mit vielen Tipps zu produzieren. Natürlich nur, wenn es Dir gefällt.

Here we go:

Und? was sagst Du? Ich freue mich über einen Kommentar!

Viel Spaß beim Nachkochen – aber nicht vergessen: Bitte nicht als Rezept für das erste Date verwenden. Das wäre, sagen wir, suboptimal.

Rezept

Dauer: 3 Stunden Schmorzeit, etwa 1 Stunde Zubereitungszeit

Zutaten (Für 4 Personen):

Für den Schweinebauch:

  • 500 g Schweinebauch mit Schwarte
  • 200 g Shiitake-Pilze
  • 30 Knoblauchzehen
  • 100 ml Sake
  • 30 ml Sojasauce
  • 10 ml Mirin
  • Etwas geröstetes Sesamöl
  • Salz, Pfeffer

Für die Einlage:

  • 4 Frühlingszwiebeln
  • 1 Bund Koriander
  • 250 g Ramen-Nudeln
  • 2 EL Tamari-Mandeln

Für die Brühe:

  • 1 L Geflügelfond
  • 400 ml Sojamilch
  • 1 Zwiebel
  • 4 EL Sesamöl
  • 1/2 TL Togarashi-Chiliflocken
  • 1 TL schwarzer Sesam
  • 1 EL Fischsauce
  • Salz

Zubereitung:

1 Zunächst weichst Du die Shiitake-Pilze in 200 ml Wasser etwa 20 Minuten ein. Danach schälst Du die Knoblauchzehen. Den Backofen auf 150°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Dann brätst Du den Schweinebauch auf der Schwarte-Seite in etwas Sesamöl bei moderater Hitze an, bis die Schwarte Blasen wirft. Drehen und rundherum von allen Seiten anbraten.

2 Den Schweinebauch aus dem Topf nehmen und den Knoblauch rösten, bis dieser eine schöne braune Farbe annimmt. Den Schweinebauch zusammen mit den Pilzen samt Wasser, der Sake, der Sojasauce und dem Mirin in den Topf geben. Salzen. Etwa 3 Stunden im Backofen schmoren, währenddessen immer wieder wenden.

3 Kurz vor Ende der Schmorzeit kannst Du die Einlage vorbereiten. Dafür schneidest Du die Frühlingszwiebeln in Ringe und hackst der Koriander. Die Tamari-Mandeln hackst Du ebenfalls, so dass diese schön fein werden. Die Ramen-Nudeln nach Angabe bissfest garen.

4 Währenddessen nimmst Du den Schweinebauch aus dem Ofen und stellst das Fleisch und die Pilze beiseite. Den Schmorsud vermischst Du mit der Geflügelbrühe (inklusive der Knoblauchzehen!) und der geschälten und geviertelten Zwiebel. Das alles kommt in einen Mixer und wird fein püriert. Anschließend seihst Du die Flüssigkeit durch ein Sieb in einen Topf ab.

5 Füge die Sojamilch hinzu und koche die Brühe kurz auf. Dann mit Sesamöl, Fischsauce, Salz und Chiliflocken abschmecken. Sesam zugeben.

6 Zum Anrichten platzierst Du die Ramennudeln in einem Teller. Dann gießt Du reichlich Brühe an und richtest den geschnittenen Schweinebauch, die Shiitake-Pilze, Frühlingszwiebeln, Tamari-Mandeln und den Koriander an.

Quelle: Lady and Pups (Englisch-sprachiger Blog)

Über den Autor:

Hallo! Schön, dass Du hier bist! Hier schreibt Uwe. Hat immer Hunger. Ist leidenschaftlicher Koch. Und Food-Aficionado. Muss sein Essen immer fotografieren. Freut sich tierisch über Kommentare!

13 Kommentare

  1. Claudia | La Capocuoca 21. August 2015 um 18:04 Uhr - Antworten

    also ich finde das video sehr gelungen, mal ein anderer aspekt! wenn ich optimierungsbedarf sehe dann höchstens bei der perspektive. bisschen mehr overhead wär vielleicht noch übersichtlicher 🙂

    lg aus wien, claudia

    • Uwe 21. August 2015 um 18:07 Uhr - Antworten

      Hi Claudia, danke für Dein Feedback – das versuche ich mal. Da ich keinen Kameramann habe, geht komplett Overhead wohl nicht, aber ein wenig mehr ist schon noch drin. Grüße!

  2. Jens 22. August 2015 um 10:44 Uhr - Antworten

    Das Rezept hab ich auch schon gesehen, ist auf die Nachkoch-Liste gewandert, wurde aber aufgrund des Knoblauch-Zweifels noch nicht getestet. Jetzt wo es „approved by Uwe“ ist, rückt es wieder etwas höher in der Liste. Ich muss aber erst noch warten, bis das Wetter wieder etwas schlechter wird 😉

    Video ist super. Darfst du jetzt zu jedem Gericht einbinden 😉

    Gruß
    Jens

    • Uwe 24. August 2015 um 16:35 Uhr - Antworten

      🙂

      Es schmeckt natürlich nach Knoblauch. Und riecht auch danach. Keine Frage. Aber es ist ein sehr ausgewogener Genuss, der Freude macht!

      Grüße!

  3. Toni Pammer 23. August 2015 um 11:42 Uhr - Antworten

    Lieber Uwe, schön dass die schreckliche, high-foodality-uwe-lose Zeit ein Ende hat. Die Ramensuppe gibts nächstes Wochenende – nicht wegen mir, aber meine Familie meinte, unsere Kunden würden die Allium-Fahne nicht so gerne flattern sehen/riechen
    (ich bin Grafiker, Fotograf und Verleger). Daumen hoch für dein Anrichte-Video – ich seh schon, du bist auch im grafischen Gewerbe und hast Sinn für Proportionen, Raumverteilung, Gestaltung. Und deine Stimme ist sehr angenehm passend zum Ganzen. Schön, eine weitere Dimension, die sich für deinen Blog auftut. Macht Spaß, das zu verfolgen. Weiterhin viel Freude, Schaffenskraft und Ausdauer!
    Toni

    • Uwe 23. August 2015 um 19:55 Uhr - Antworten

      Lieber Toni, danke Dir für Deinen Kommentar! Die Beitrag-lose Zeit hat einen guten Grund: Urlaub. Aber das ist nun Geschichte und es geht wie immer weiter 🙂

      Danke auch für Deine Rückmeldung zum Video! Es macht viel Freude, Neues auszuprobieren. Grüße!

  4. Sehr schön!
    Tolle Idee mit den Videos und auch den Fotos von den Zwischenschritten.
    Optisch mal wieder ein Leckerbissen, auch wenn ich gestehen muss das es mich geschmacklich nicht so anspricht, aber ich bin einfach kein Ramen Fan. Trotzdem immer wieder ein Genuss deine Rezepte und Fotos zu lesen und zu sehen.

    Was ich persönlich noch gerne ausführlicher sehen, bzw hören würde: Warum richtest du Sachen so an, wie du es tust? Genau so, wie du es mit dem Teller ja schon gemacht hast.

    Beste Grüße,
    Fabian

    • Uwe 24. August 2015 um 10:56 Uhr - Antworten

      Hallo Fabian, danke für Dein Feedback! Dir geht es also mehr um die persönlichen Beweggründe, warum ich z. B. welche Teller benutze, eine bestimmte Form wähle oder wie ich auf die Anrichte-Ideen komme? Habe ich das richtig verstanden? Grüße!

  5. Henning 24. August 2015 um 17:40 Uhr - Antworten

    Interessante Ramen-Variante mit dem Knoblauch. Ramen ist ja selber schon so vielfältig wie es Nudelsuppen gibt. Ich hab sie bisher immer auf Misobasis gemacht. Dies hier hört sich aber auch spannend an. Muss unbedingt nachgebaut werden. Optisch ist Ramen ja auch eine tolle Spielwiese.
    Die Videos find ich gut so, weil sie genauso reduziert auf das Wesentliche sind, wie deine Fotos. Mir gelingt es leider nie, so konsequent wenig auf den Teller zu packen, obwohl ich es auch nicht mag, wenn es so voll ist. Aber dann hat man doch das Gefühl, hier und da müsste noch was drauf. Genau dies ist aber meist dann auch zu viel. Zum Neuanrichten hab ich dann keinen Bock mehr, der Appetit ist einfach zu groß …

  6. Ulla 23. Januar 2017 um 09:55 Uhr - Antworten

    Videos finde ich toll, wenn es darum geht, ein schönes Foto zu schiessen. Mein Mann würde für Freude in die Hände klatschen, wenn ich ihm so toll arrangierten Teller hinstellen würde.

    Für mich als absolute Hobbyköchin aber nicht machbar, wenn Gäste am Tisch sitzen und auf ein warmes Essen warten. Die Ruhe, mit einer Pinzette die einzelnen Zutaten auf die Tellern zu legen, habe ich nicht.

    Trotzdem weiter so, ich habe erst vor kurzem diesen Blog entdeckt und bin begeistert, auch wenn ich die Teller nie so appetitlich hin bekomme.

    • Uwe 23. Januar 2017 um 12:58 Uhr - Antworten

      Das freut mich, Ulla! Die Herausforderung hab‘ ich auch, aber ich nehme sie gerne an. Und: mit der Zeit wird man schneller, und das Essen bleibt zunehmend wärmer…

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